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Was Unternehmen gegen den Klimastress tun können

Durch die Folgen des Klimawandels werden sich die körperlichen und psychischen Belastungen und Beanspruchungen am Arbeitsplatz teilweise deutlich erhöhen. Welche Berufsgruppen sind besonders betroffen? Was können Unternehmen tun, um den Klimastress bei ihren Beschäftigten so niedrig wie möglich zu halten?

Der Klimawandel und seine Folgen wirken sich in vielfältiger Weise auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen aus. Für die Unternehmen bedeutet das enorme Herausforderungen, denen sie mit einem weiten Spektrum an technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen begegnen müssen.

„Grüne Berufe“ besonders betroffen

Besonders betroffen von klimabedingten Veränderungen im Arbeitsalltag sind die rund 2,5 Millionen Beschäftigten, die im Freien arbeiten, beispielsweise auf dem Bau, im Handwerk, in der Schifffahrt sowie bei Transport- und Zustelldiensten. Sie sind einer drei- bis fünffach größeren UV-Strahlung ausgesetzt als Beschäftigte, die in Büros und Gebäuden arbeiten.

Eine Berufsgruppe allerdings dürfte ganz besonders unter den Klimaveränderungen leiden: die der „grünen“ Berufe, also in Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen. Denn sie sind aufgrund der steigenden Temperaturen zusätzlich noch einem verstärkten Risiko durch Infektionskrankheiten und Allergenen ausgesetzt, vor allem bedingt durch die Zunahme krankheitsübertragender Insekten und einer verlängerten Pollenflugsaison. Hinzu kommt, dass sie selbst im Vergleich zu anderen Berufen im Freien in der Regel weniger Möglichkeiten haben, sich während der Arbeit an Orte zurückzuziehen, in denen sie vor der Witterung geschützt sind. Für alle Berufe im Freien sind in der Zukunft organisatorische (zum Beispiel längere Pausen während der Mittagszeit) und technische Anpassungen (siehe unten) unumgänglich.

Belastungen im Büro

In einem gewissen Maße sind auch die Personen von klimabedingten Veränderungen im Arbeitsalltag betroffen, die in Gebäuden arbeiten. Hierzu zählen Beschäftigte in Werkhallen, Großküchen oder Wäschereien. Belastungen treten hier insbesondere im Sommer auf, wenn die Temperaturen oft vom sogenannten thermischen Behaglichkeitsbereich (18 bis 24 Grad) nach ISO 7730 abweichen, den Körper belasten und die Leistungsfähigkeit einschränken.

Erste Anpassungen

Ob die bisherigen gesetzlichen Regelungen im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz ausreichend sind, um der Zukunftsherausforderung Klimawandel zu begegnen, ist aktuell umstritten. Das Umweltbundesamt und das Robert Koch-Institut haben vor einigen Jahren schon zu spezifischen arbeitsrechtlichen Anpassungen geraten, um Beschäftigte im Freien in Zukunft besser vor Hitzebelastungen zu schützen. Allerdings hat der Gesetzgeber bereits in einem Fall auf die veränderten Klimabedingungen reagiert, als er 2015 nämlich den hellen Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannte.

Technische Maßnahmen

Unternehmen haben zahlreiche Möglichkeiten, um mit technischen Maßnahmen auf die Klimabelastung für ihre Beschäftigten zu reagieren. Zum Schutz vor hohen Temperaturen und akuten Hitzeereignissen bietet sich beispielsweise die Installation von Überdachungen, Sonnensegeln, mobilen Ventilatoren, UV-absorbierenden Abdeckungen oder fixen Dächern für fest installierte Arbeitsplätze im Freien an. Bei plötzlich auftretendem Starkregen oder starker Sonneneinstrahlung können mobile Überdachungen und Unterstellmöglichkeiten kurzfristig Abhilfe schaffen.

In Gebäuden können Ventilatoren und Klimaanlagen installiert oder Außenverschattungen, beispielsweise Rollos oder Markisen, eingebaut werden. Auch die Begrünung von Flächen, Dächern und Fassaden als energiesparende Baumaßnahmen des sommerlichen Wärmeschutzes ist eine Möglichkeit, um die Aufheizung von Gebäuden zu verringern.

Psychische Belastungen

Psychische Belastungen durch den Klimawandel werden derzeit noch kaum thematisiert. Doch allein schon die Vorstellung, dass die uns vertraute Welt in bereits wenigen Jahren nicht mehr existieren könnte (in der Psychologie als „Solastalgie“ bezeichnet), dürfte bei vielen Menschen schon zur Belastung werden und teilweise in eine Art permanente Zukunftsangst münden. In der Tat belegen Umfragen aus 2021/22, dass bis zu 38 Prozent der Befragten den Klimawandel für das größte Zukunftsproblem halten – noch vor Krieg, Pandemien oder Wirtschaftskrisen.

Gruppen-Maßnahmen

Daher ist die Information der Beschäftigten über die Folgen des Klimawandels ein wichtiges Instrument, um psychische Belastungen und sogar Erkrankungen in Grenzen zu halten. Die bisherigen Aufklärungsmaterialien der einschlägigen Institutionen im Arbeitsschutz informieren allerdings nur über den Umgang mit den Folgen des Klimawandels am Arbeitsplatz, kaum aber über Ursachen und schon gar nicht über konkrete Handlungsoptionen, um durch eigene Aktivitäten zu Abmilderung der Klimawandels beizutragen. Dabei liegt in ihnen eine besondere Chance. Insbesondere als Teil eines Teams oder eine Gruppe sind Menschen besonders motiviert, eine Sache nachhaltig voranzutreiben.

So auch beim Thema Klimaanpassung/Klimaschutz im Arbeitsumfeld. Beispiel: An vielen Betriebsstätten weltweit geben Unternehmen ihren Angestellten die Möglichkeit, Gärten auf dem Betriebsgelände und an/auf den Gebäuden in Eigenregie zu pflanzen – wohlwissend, dass nur eine „grünere“ Welt die Lösung sein kann, um den weitgehend durch Natur- und Umweltzerstörung verursachten Klimawandel aufzuhalten.

 

Quelle: Haufe Online Redaktion